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Donnerstag, 26. April 2018 seit 1997 Sommersemester 2018

Programm


AUTOKRATIEN

Herausforderungen der Demokratie


Die Hoffnung war, dass sich nach dem Ende des Kalten Krieges mehr und mehr Staaten mit einer gewissen Zwangsläufigkeit ‚demokratisieren‘ würden. Seit der Jahrtausendwende wurden diese Erwartungen jedoch zusehends enttäuscht. Unter dem Druck grassierender Globalisierungsängste, mit dem Erstarken populistischer Bewegungen und im Zeichen von Wirtschafts- und Sicherheitskrisen scheint mittlerweile das  zur Option geworden zu sein, was man als Autokratie beschreibt: eine Herrschaftsform, die auf Selbstermächtigung und Machtmonopolisierung gründet und die sich durch den Ausschluss des Anderen und Fremden konsolidiert. In der geopolitischen Strategieplanung der Demokratieforschung der  1990er Jahren wurde, zumeist im Auftrag westlicher Staaten, ein weltweiter Systemwechsel beobachtet. Die Vorstellungen vom Autokratismus im Anschluss an die Totalitarismus-Forschung  der Nachkriegsjahre haben sich  als wenig aussagekräftig erwiesen.  Autokraten gelangen heute in populistischer Manier und nicht zuletzt mit Techniken und Praktiken neoliberaler Governance an die Macht. Einmal etabliert, wenden sie sich nicht vom Volke ab, sondern koppeln ihre eigene Berechtigung an messbare Erfolge wie Wohlstand, religiöse und moralische Erneuerungen  oder expansive Macht. Autokratien kann man als Hybride verstehen, die die sozialen Systeme von Wirtschaft, Politik und Recht engst möglich verkoppeln. Es gilt, die historische und zeitgenössische  Spezifik dieses Machttypus zu erfassen: die ‚elektorale Autokratie‘ im Rußland Wladimir Putins, Recep Erdogans Programm einer islamischen Präsidialautokratie, die Weiterentwicklung der iranischen Theokratie, die in der Volksrepublik China in Aussicht genommene digital gestützte Sicherung der Einparteienherrschaft, nicht zuletzt die verfassungsrechtlich bedenklichen autokratischen Tendenzen in Europa und in den USA.

 

 

 

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