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Samstag, 23. März 2019 seit 1997 Sommersemester 2019

Programm

  • Emine Sevgi Özdamar

    mit Ulrike Vedder
    Die krank gewordenen Wörter
    Donnerstag, 02.05.2019, 19 Uhr c.t., Hegelplatz 2, Hörsaal 1.101
  • Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann

    mit Elisabeth Wagner
    Gemeinschaftliche Kunst - Praktiken im öffentlichen Raum: Das ›Rose Valland Institut‹ und andere Projekte
    Donnerstag, 09.05.2019, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
  • Juliane Rebentisch

    mit Ethel Matala de Mazza
    Ausstellungen des Politischen in der Kunst
    Donnerstag, 16.05.2019, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
  • Édouard Louis

    mit Lothar Müller
    Confronting Literature. Schooling, Writing, Politics
    Donnerstag, 27.06.2019, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal

Sprachen des Politischen in Literatur und Kunst


Der Verlust an Vertrauen in die repräsentative Demokratie und ihre Institutionen und die multimedial wirksame Desinformation, befördert die Wunschvorstellung einer “Betätigungsdemokratie“ (Pierre Rosanvallon): Aktiv im Umgang mit ihren eigenen Widersprüchen und Konflikten, gemessen an den Ansprüchen von sozialer Gerechtigkeit und kultureller Identität. In Kunst und Literatur kommt, im Gegensatz zur Politik, das zur Sprache, was Wittgenstein einmal die „Umgebungen einer Handlungsweise“ genannt hat: Das ‚Politische‘ im Partikularen und Differenten, in den alltäglichen Wahrnehmungen und Verhaltensweisen. Individuelle Erlebnisse und Ereignisse finden Ausdruck in einer Bilder- und Körpersprache, mit der etwas Denkbares und Fühlbares angesprochen wird, das nicht oder noch nicht verfügbar ist. Die hier wirksam werdende Agenda erschöpft sich nicht in Kritik und Kompensation der vorherrschenden Realpolitik. Vielmehr sucht sie, jenseits des privilegierten Wissens, die Nähe zu den Alltagserfahrungen von Entfremdung und Diskriminierung und den hier wirksamen Gesten des Aufbegehrens und des Widerstands, wie George Didi-Huberman sie in Kunst und Photographie vorgestellt hat. In der gegenwärtigen Erinnerungs- und Erfahrungsliteratur, bei Eduard Louis zum Beispiel, wird das Schreiben selber zum Ort der Gewalt, das Lesen zur verstörenden Begegnung mit dem Unerträglichen und Unsagbaren. Interaktive Kunstexperimente im öffentlichen Raum – man denke an die immersiven Verfahren zur suggestiven Entgrenzung von historischen Ereignissen und politischen Auseinandersetzungen – provozieren eine Verunsicherung selbstverständlicher und selbstgewisser Überzeugungen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die im Kunstbetrieb selbst veranstalteten antikapitalistischen Investigationen und Interventionen, mit denen einer Dienstleistungsökonomie des Subjektiv-Kreativen entgegengewirkt werden soll (Maria Eichorns Documenta-Projekte). Die seit Adorno im Zwiespalt von Kunstautonomie und fait social fortgeschriebene ästhetische Theorie gewinnt an aktueller Bedeutung, bei Juliane Rebentisch zum Beispiel, wenn sie sich mit den neueren Tendenzen und Techniken einer ‚Ästhetisierung der Politik‘ auseinandersetzt.

Programm

Emine Sevgi Özdamar mit Ulrike Vedder Die krank gewordenen Wörter Donnerstag, 02.05.2019, 19 Uhr c.t., Hegelplatz 2, Hörsaal 1.101

 

»Man sagt, in fremden Ländern verliert man die Muttersprache. Aber man kann die 
Muttersprache auch im eigenen Land verlernen.« 
 
Am Anfang, so lässt sich in Sevgi Özdamars Romanen verfolgen,  gab es den Unverstand in der deutschen Sprache, das Auswendiglernen von Schlagzeilen, dagegen das Erleben der Sprache im Alltäglichen, im Nebensinn, die Entdeckung des eigenen Ausdrucks im fremden Idiom; auf Türkisch kam oft das, was man nicht hören wollte. Das Politische war im Kleinen, im Alltäglichen zu entdecken, im eigenen Anteil am Leben, an Lust, Arbeit, nicht in den Parolen. Und wie kann man heute, wo Automatismen und Verfälschungen im öffentlichen Sprachgebrauch gang und gäbe sind, in der Sprache der Literatur politisch sein, das Eigene, Private öffentlich aussprechen, die eigenen Überzeugungen, Urteile und auch Vorurteile?

 

Emine Sevgi Özdamar ist seit den 1990er Jahren eine der bekanntesten deutsch-türkischen Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen und Regisseurinnen, sie ist Mitglied der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung und der Berliner Akademie der Künste und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Kleist-Preis und den Fontane-Preis; Gastdozenturen nahm sie an der New York University und der Universität Hamburg wahr; zu ihren bekanntesten Werken zählen Mutterzunge (1990), Das Leben ist eine Karawanserei (1992), Die Brücke vom Goldenen Horn (1998), Seltsame Sterne starren zur Erde (2003) und das 2010 im Rahmen der Ruhrfestspiele aufgeführte Theaterstück Perikizi.

Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann mit Elisabeth Wagner Gemeinschaftliche Kunst - Praktiken im öffentlichen Raum: Das ›Rose Valland Institut‹ und andere Projekte Donnerstag, 09.05.2019, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
Juliane Rebentisch mit Ethel Matala de Mazza Ausstellungen des Politischen in der Kunst Donnerstag, 16.05.2019, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
Édouard Louis mit Lothar Müller Confronting Literature. Schooling, Writing, Politics Donnerstag, 27.06.2019, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal