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Dienstag, 31. Mai 2016 seit 1997 Sommersemester 2016

Programm

  • Stefan Maul

    (Heidelberg)
    »Wahrsagekunst im Alten Orient«
    Donnerstag, 28.04.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
  • Bruno Latour

    (Paris)
    »On a possible difference between Earth and the Globe.«
    Donnerstag, 12.05.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Kinosaal (HU-Hauptgebäude)
  • Viktor Mayer-Schönberger

    (Oxford)
    »Big Data. Wie wir in Zukunft leben werden.«
    Donnerstag, 19.05.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
  • Kathrin Röggla

    (Berlin)
    »Zukunft als literarische Ressource«
    Donnerstag, 16.06.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal
  • Joseph Vogl

    (Princeton / HU Berlin)
    »Das seltsame Überleben der Theodizee in der Ökonomie«
    Donnerstag, 07.07.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal


Zukunftswissen

Vom Orakel zur Prognostik

 

Wenn Zukunft nicht mehr gleichbedeutend ist mit dem Weltgericht oder der Zeitspanne bis zu seinem Eintreffen, so ändert sich der Blick auf Kommendes entscheidend. Zukunft kann nur mehr als „leerer zeitlicher Raum“ (Koselleck) entworfen werden, was eine große Zahl von Institutionen und Praktiken auf den Plan ruft, die mit ihren wissenschaftlichen Modellen in Aussicht stellen, das Ungewisse möglicher Ereignisse und Entwicklungen in Planbarkeiten zu überführen: die demographische Entwicklung, den Klimawandel, die Energieversorgung, die Abschätzung von technischen und geopolitischen Folgeerscheinungen, nicht zuletzt die Ökonomie an der Börse. Die Vorhersage möglicher Zukünfte entsteht aus einer sich ständig verändernden und oft als bedrohlich empfundenen Gegenwart. Zukunft haben wir nur in ihren sozialen und gesellschaftlichen Konstrukten. Schon das divinatorische Wissen der Alten Welt mit seinen Orakelsprüchen hat niemals behauptet, eine zukünftige Wirklichkeit „wirklich zu sehen“, wohl aber das Sichtbare, Erkennbare und Plausible zur Perspektivierung von Macht und Moral benannt und beurteilt. Zukunftswissen ist Orientierungswissen. Das gilt bis heute für jederlei ‚Politikberatung‘. In den Mosse-Lectures soll das in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, in den Künsten und Religionen erforschte und imaginierte Zukunftswissen, auch das einzugestehende Nicht-Wissen, verhandelt werden: seine Herkunft, Geltung, Legitimierung und sein Einfluss: von der Wahrsagekunst im Alten Orient bis zu Big Data. Welches Selbstverständnis einer Gesellschaft zeigt sich in ihren Bezugnahmen auf die Zukunft? Welche rhetorischen, technischen und medialen Mittel zur Modellierung und Inszenierung von Zukunftswissen sind zu beobachten und zu analysieren? Welche kollektiven Wünsche und Ängste prägen seit der klassischen Apokalypse die Vorstellungen des ultimativ Zukünftigen?

Programm

Stefan Maul (Heidelberg) »Wahrsagekunst im Alten Orient« Donnerstag, 28.04.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal

Einführung und Moderation: Ethel Matala de Mazza (HU Berlin)

Im Alten Mesopotamien wollten weder Herrscher noch Generäle wichtige Beschlüsse in die Tat umsetzen, ohne dass Zeichendeuter ihnen zuvor deren sicheren Erfolg vorausgesagt hätten. Der Ruhm der altorientalischen Fachleute verbreitete sich im gesamten Mittelmeerraum. Auch im klassischen Griechenland und im antiken Rom wollte man angesichts ihrer Erfolge ohne den Rat von Sterndeutern und Opferschauern keine wichtigen politischen und militärischen Entscheidungen treffen. Heute lassen Tausende von Keilschrifttexten das von wissenschaftlicher Systematik geprägte komplexe Lehrgebäude der Zukunftsschauer erkennen. Diese Quellen sind darüber hinaus von größtem Interesse, da sie auch erlauben, eine Antwort auf die drängende Frage zu finden, wie es nur möglich war, dass eine auf der Beobachtung von Vorzeichen fußende Politikberatung über viele Jahrhunderte hinweg dauerhaft stabile politische Verhältnisse befördern konnte.

 

Stefan Maul, Altorientalist, Professor für Assyriologie an der Universität Heidelberg, Träger des Leibniz-Preises, Forschungen zur Religions- und Kulturgeschichte des Alten Orients, Fellow des Wissenschafts-kollegs zu Berlin (2004/2005); neuere Veröffentlichungen u.a.: »Das Gilgamesch-Epos«, neu übersetzt und kommentiert (5. Auflage 2012), »Keilschriften aus Assur«, (Herausgabe 2007-2012), »Die Wahrsagekunst im Alten Orient« (2013)

 

Video

 

Fotos

  • Ethel Matala de Mazza begrüßt die Gäste der ersten Mosse-Lectures zum Thema "Zukunftswissen"     © Niels Leiser
  • Stefan Maul zu "Wahrsagekunst im Alten Orient"     © Niels Leiser
  • Stefan Maul, Professor für Assyrologie an der Universität Heidelberg     © Niels Leiser
  • Stefan Maul vor Publikum     © Niels Leiser
  • Stefan Maul bei seinen Ausführungen zur Prognostik mit Schafsleber     © Niels Leiser
  • Stefan Maul bei seiner Mosse-Lecture      © Niels Leiser
  • Stefan Maul     © Niels Leiser
  • Stefan Maul und Ethel Matala bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Fragen aus dem Publikum     © Niels Leiser
  • Torsten Flüh kommentiert     © Niels Leiser
  • Ethel Matala und Stefan Maul vor den Humboldt-Brüdern     © Niels Leiser
  • Stefan Maul mit Wilhelm und Alexander von Humboldt

Bruno Latour (Paris) »On a possible difference between Earth and the Globe.« Donnerstag, 12.05.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Kinosaal (HU-Hauptgebäude)

Kommentar und Gespräch: Wolfgang Schäffner (HU Berlin)

Die Moderne kann in mancherlei Hinsicht als Entwicklung definiert werden, die unsere boden-ständige Lebenswelt (le terroir) im Horizont der Globalisierung (le globe) öffnet. Mit dieser Entwicklung kennzeichnen wir Vorstellungen des Progressiven und des Reaktionären. Dabei erscheint die Utopie des globalen Fortschritts zunehmend als fragwürdig; ebenso utopisch ist aber auch die Mimikry an dem, was einst als in Grund und Boden gefestigt galt und unsere Aufmerksamkeit noch einmal auf sich zieht. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, politisch an Orientierung zu gewinnen: durch die Annahme eines dritten Pols, den der Erde selbst, unseres Planeten. Und dies sowohl im Unterschied zu jenem »alten Land« wie auch zur Modernisierung im globalen Maßstab. In diesem Vortrag sollen einige der Ansätze von Wissenschaftlern, Künstlern, politischen Aktivisten und Philosophen besprochen werden, welche die hier skizzierte Dreieckskonstellation vorsehen.

 

Bruno Latour ist Professor für Soziologie am Institut d´Études des Politiques in Paris und Direktor des dortigen Media-Labs, Autor maßgeblicher anthropologischer, soziologischer und wissenschaftsgeschichtlicher Werke, Begründer der Akteur-Netzwerk-Theorie; Kurator von Ausstellungen u.a. am ZKM Karlsruhe: »Iconoclash« (2002), »Rest Modernity« (2016), Albertus-Magnus-Professur an der Universität Köln (2015); ins Deutsche übersetzte Monographien u.a. »Wir sind nie modern gewesen« (1995, Neuauflage 2008), »Das Parlament der Dinge« (2001, Neuauflage 2009), »Die Hoffnung der Pandora« (2002), »Existenzweisen. Eine Anthropologie der Moderne« (2014) 

Video

Fotos

  • Wolfgang Schäffner bei der Einführung     © Niels Leiser
  • Bruno Latour zu Gast bei den MOSSE-LECTURES     © Niels Leiser
  • Bruno Latour vor seinem Publikum an der Humboldt-Universität     © Niels Leiser
  • Bruno Latour bei seiner Mosse-Lecture     © Niels Leiser
  • Bruno Latour bei seinen Ausführungen     © Niels Leiser
  • Bruno Latour     © Niels Leiser
  • Fragen an Bruno Latour     © Niels Leiser
  • Fragen aus dem Publikum     © Niels Leiser
  • Bruno Latour und Wolfgang Schäffner bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Diskussion mit Bruno Latour im überfüllten Kinosaal der HU     © Niels Leiser
  • Fragen aus dem Publikum     © Niels Leiser
  • Dank und Beifall für Bruno Latour
     © Niels Leiser

Viktor Mayer-Schönberger (Oxford) »Big Data. Wie wir in Zukunft leben werden.« Donnerstag, 19.05.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal

Einführung und Moderation: Hendrik Blumentrath (HU Berlin)

Viel wird in den Medien berichtet über Big Data und die unglaublichen Mengen an oft auch personenbezogenen Daten, die damit gesammelt und gespeichert werden. Mit Edward Snowdens Enthüllungen gewannen wir Einblick in eine Welt, in der die Vergangenheit nicht mehr vergessen wird. Aber eine weitere Qualität von Big Data – die Vorhersage zukünftigen menschlichen Verhaltens – könnte zu einer noch größeren Herausforderung für unsere Gesellschaft werden und Grundfeste unseres Zusammenlebens, ja vielleicht sogar zentrale Bedingungen des Menschseins in Frage stellen. Warum das so ist, und was wir dagegen tun können – darum geht es in diesem mit vielen aktuellen und realen Beispielen versehenen Vortrag.

 

Viktor Mayer-Schönberger, Rechtswissenschaftler und Professor für Internet Governance und Regulation an der University of Oxford, Forschungen und publizistische Tätigkeit zu Fragen des Rechts, der Verwaltung und der gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung; Tätigkeit in der Unternehmens- und Politikberatung; auf Deutsch ist zuletzt erschienen: »Delete. Die Tugend des Vergessens im digitalen Zeitalter« (2010), mit Kenneth Cukier: »Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird« (2013)

 

 

Fotos

  • Hendrik Blumentrath bei der Einführung     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger bei seiner Mosse-Lecture     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger vor seinem Publikum     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger zu  BIG DATA     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger sammelt Daten     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger über BIG DATA     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger erläutert Fortschritte in der Prognostik durch BIG DATA     © Niels Leiser
  • Diskussion mit dem Publikum: Hendrik Blumentrath und Viktor Mayer Schönberger     © Niels Leiser
  • Fragen aus dem Publikum an Viktor Mayer Schönberger     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger, im Hintergrund: Hendrik Blumentrath     © Niels Leiser
  • Diskussion mit dem Publikum     © Niels Leiser
  • Viktor Mayer Schönberger über Wahrscheinlichkeiten beim Werfen der Münze     © Niels Leiser

Kathrin Röggla (Berlin) »Zukunft als literarische Ressource« Donnerstag, 16.06.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal

Einführung: Ulrike Vedder 

Joseph Vogl (Princeton / HU Berlin) »Das seltsame Überleben der Theodizee in der Ökonomie« Donnerstag, 07.07.2016, 19 Uhr c.t., Unter den Linden 6, Senatssaal

Kommentar und Gespräch: Sahra Wagenknecht