view in English
Samstag, 19. Mai 2012 seit 1997 Sommersemester 2012

Programm

  • Lorenz Engell

    Bauhaus Universität Weimar
    "Watch your series more" - Erkundungen des Fernsehens
    Donnerstag, 26.04.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock
  • Rainald Goetz & Diedrich Diederichsen

    Berlin & Wien
    "mehr"
    Donnerstag, 03.05.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock
  • Benjamin Buchloh

    Harvard University
    Zufall, Intention und Serialität in Gerhard Richters Abstraktionen
    Donnerstag, 31.05.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock
  • Hagai Levi & Elisabeth Bronfen

    Tel Aviv
    Is Television Series The New Psychological Treatment?
    Donnerstag, 14.06.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock
  • Ulla Haselstein

    Freie Universität Berlin
    Gertrude Stein und das amerikanische Gesetz der Serie
    Donnerstag, 21.06.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Fortsetzung folgt ...

Formate des Seriellen in den Künsten und Medien

Gibt allein das Individuelle und Einzigartige Auskunft über künstlerische Originalität? Daneben wurde seit „1001 Nacht“, aber mehr noch seit den erfolgreichen Fortsetzungsromanen des 19. Jahrhunderts, Charles Dickens' "Pickwick Papers" oder Eugène Sues „Mystères de Paris“, die zeitlich gestaffelte Darbietungsform der Serie populär. Darin wird die einzelne Erzählung zu einer Variation, eingefügt in ein narratives Muster, bei dem Anfang und Ende durchaus zufällig und ungewiss sind. Die „Ästhetik der Serie“, wie sie Umberto Eco ins Spiel gebracht hat, umfasst dabei mehr als den Zeitgeist von industrieller und medialer Reproduktion, von statistischer Wahrscheinlichkeitsrechnung und Digitalisierung. Nicht nur die Variante, sondern die Variabilität selber, die regulierte Unregelmäßigkeit schafft ästhetisches Vergnügen: In der Wiederholung ist die Differenz zu entdecken. Gewiss fordern und fördern die narrativen Serienformate der soap operas und telenovelas den Konsumismus, wenn die auf Dauer gestellte Serie von Fall zu Fall den misslichen Alltag kompensiert. Die Ritualisierung der Alltagswelt im Serienformat kann jedoch mehr schaffen als nur Affirmation. Der „rhythm of being“, von dem Gertrude Stein einmal gesprochen hat, lässt sich als fortgesetzte Vergegenwärtigung verstehen: als Lust an Entdeckungen im Immergleichen. In den MOSSE-LECTURES des Sommersemesters 2012 soll das Prinzip des Seriellen in den Künsten und Medien neu zur Anschauung und zur Sprache gebracht werden: in den Erzeugnissen des sog. Quality TV und mit einem zweiten Blick auf bewährte und experimentelle Muster und Bauformen des Seriellen in Literatur und Kunst.

Pressestimmen


De:Bug (03. Mai 2012)
Weblink

Süddeutsche Zeitung - Jetzt.de (04. Mai 2012)
Weblink

TAZ (04. Mai 2012)
Weblink

Boersenblatt.net (04. Mai 2012)
Weblink

Welt Online (05. Mai 2012)
Weblink

Programm

Lorenz Engell Bauhaus Universität Weimar "Watch your series more" - Erkundungen des Fernsehens Donnerstag, 26.04.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

„Read your Westerns more“ war die Empfehlung des amerikanischen Präsidenten Howard Taft an seine Landsleute, wollten sie sich selbst und ihr Gemeinwesen verstehen. Unverändert werden auch heute die drängendsten Fragen der Gegenwart an den scheinbar ungeeignetsten Stellen verhandelt, darunter in erstaunlichem Maße in den weltweit zirkulierenden Serien der amerikanischen Fernsehproduktion. Zu den Fragen, die in Form der Fernsehserie gestellt und variiert werden, gehören zunächst einmal thematische Besorgnisse. Die Verteilung von Macht und Herrschaft, das Geschlechterverhältnis, die uralte Frage nach der Herkunft des Bösen, die Kritik an wirtschaftlichen Zuständen, die Sorge um eine prinzipielle Unverstehbarkeit der Welt, all dem gehen Fernsehserien nach. Dahinter aber ist die Verhandlung der Phänomene der Serialität und der Serialisierung selbst ein Signum der Gegenwart. Der Philosoph Stanley Cavell vermutet hinter der flächendeckenden Ausbreitung der Serienform durch das Fernsehen den Versuch einer grundlegenden Stillstellung der Welt. Der Vortrag legt dagegen die These ein, dass Serienformate heute erproben, was das Andauern und was das Vorüberziehen überhaupt sei, was als Ereignis, was als Wiederholung, Gedächtnis und Geschichte gilt: die Wandelbarkeit als Merkmal einer grundlegend instabilen Gegenwart.

Lorenz Engell
Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar, Forschungen v.a. zur Mediengeschichte von Film und Fernsehen, Co-Direktor des Internationalen Kollegs für Kulturtechnik und Medienphilosophie, Mithg. des Archivs für Mediengeschichte und der Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, Buchveröffentlichungen u.a.: Ausfahrt Babylon (2000), Bilder des Wandels (2003), Bilder der Endlichkeit (2005), Philosophie des Fernsehens (2005), Philosophie des Films (2007), Playtime (2010).

Fotos

  • Klaus Scherpe begrüßt die Gäste zur neuen Reihe "Fortsetzung folgt... Formate des Seriellen in den Künsten und Medien     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell, der erste Redner der Reihe "Fortsetzung folgt... Formate des Seriellen in den Künsten und Medien"     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell von der Bauhaus-Universität Weimar bei seinen Erkundungen des Fernsehens
     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell vor großem Publikum im Senatsaal der Humboldt-Universität     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell "Watch your series more" I     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell "Watch your series more" II     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell "Watch your series more" III     © Niels Leiser
  • Frage aus dem Publikum an Lorenz Engell     © Niels Leiser
  • Klaus Scherpe und Lorenz Engell bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell, Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar, zwischen Wilhelm und Alexander von Humboldt
     © Niels Leiser

Rainald Goetz & Diedrich Diederichsen Berlin & Wien "mehr" Donnerstag, 03.05.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Rainald Goetz
Nach der doppelten Promotion in den Fächern Geschichte und Medizin Autor von Theaterstücken, Romanen, Musikalben, Blogs, Internet-Tagebüchern und Essays, in denen u.a. Stoffe aus der Psychiatrie (Irre, 1983), der Wissenschaft (Kontrolliert, 1988), der Technobewegung (Rave, 1998), der Zeitgeschichte (Krieg, Festung 2003) und Kunstszene (Jeff Koons, 1982) verarbeitet werden. Auf das in Buchform publizierte Online-Tagebuch Abfall für alle (1999) folgten als Audio CD und Tagebuchessays veröffentlichte Blogs der „Nullerjahre“ (Klage, Loslabern, Schlucht, 2008, 2009), Berliner Literaturpreis (2012) Ein neuer Roman Johann Holtrup ist angekündigt.

Diedrich Diederichsen
Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Kulturjournalist, Kunst-, Literatur- und Musikkritiker, zuletzt erschienene Buchpublikationen u.a.: Musikzimmer. Avantgarde und Alltag (2005), Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation (2008), Kritik des Auges. Texte zur Kunst (2008).

 

Videos

Fotos

  • Joseph Vogl begrüßt die Gäste der MOSSE-LECTURE     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen zu "mehr"     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz trägt vor.     © Niels Leiser
  • Diedrich Diederichsen trägt vor.     © Niels Leiser
  • Spaß an Presseerzeugnissen I: Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen     © Niels Leiser
  • Spaß an Presseerzeugnissen II: Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz     © Niels Leiser
  • Diedrich Diederichsen singt "I need more" von Iggy Pop.
  • Rainald Goetz, Diedrich Diederichsen und ihr Publikum im Senatssaal der Humboldt-Universität
     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen vor den Humboldt-Brüdern     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz auf hoher Leiter mit Helfer/innen beim Abbau     © Niels Leiser

Benjamin Buchloh Harvard University Zufall, Intention und Serialität in Gerhard Richters Abstraktionen Donnerstag, 31.05.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Benjamin Buchloh
Andrew W. Mellon Professor of Modern Art an der Harvard University, zahlreiche Kritiken und Bücher zur Kunst der Avantgarde und Neo-Avantgarde, zur aktuellen Kunstszene und zum Verhältnis europäischer und amerikanischer Kunstproduktion, u.a.: Marcel Broodthaers (1988), Andy Warhol (2001), Neo-Avantgarde and Culture Industry: Essays on European and American Art from 1955 to 1975 (2003). Richtungsweisend sind seine Bücher zu Gerhard Richter (2008 und 2009); angekündigt ist eine weitere Publikation zum Zusammenhang von Figuration und Abstraktion in Richters œuvre.

Hagai Levi & Elisabeth Bronfen Tel Aviv Is Television Series The New Psychological Treatment? Donnerstag, 14.06.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Vortrag und Gespräch mit Elisabeth Bronfen (Universität Zürich)

Hagai Levi
Israelischer Filmemacher und Fernsehregisseur, Kritiker, Produzent von Fernsehserien wie Love around the Corner (seit 2002), auf internationalen Filmfestivals preisgekrönte Dokumentarfilme wie Fucked Up Generation (2002) und It Kinda Scares Me (2002); die psychoanalytische Serie Be ’Tipul (Erste Staffel 2005, zweite Staffel 2008) wurde mit dem Regiepreis der Israelischen Akademie ausgezeichnet, Vorlage für die amerikanische Serie In Treatment des Pay TV-Senders HBO (drei Staffeln 2007 bis 2010), seitdem in mehreren Ländern v.a. Osteuropas und Südamerikas adaptiert, auf 3Sat lief 2010 und 2011 eine Synchronfassung der ersten und zweiten Staffel der HBO-Version.

Elisabeth Bronfen
Professorin für Anglistik an der Universität Zürich, zudem seit 2007 Global Distinguished Professor an der New York University, außer den Veröffentlichungen zur anglo-amerikanischen Literatur zahlreiche Aufsätze und Studien aus den Bereichen der Kulturwissenschaft, der Psychoanalyse, zum Film und zu den Gender Studies, zuletzt erschienen u.a.: Die Diva (2002), Home in Hollywood (2004), Liebestod und Femme Fatale (2004), Tiefer als der Tag Gedacht. Eine Kulturgeschichte der Nacht (2008), Stanley Cavell (2009), Crossmapping (2009), 2012 erscheint Specters of War. Hollywood’s Engagement with Military Conflict.

Ulla Haselstein Freie Universität Berlin Gertrude Stein und das amerikanische Gesetz der Serie Donnerstag, 21.06.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Professorin für Amerikanistik am John F. Kennedy Institut der FU Berlin, zahlreiche Forschungsarbeiten zur modernen amerikanischen Literatur und Literaturtheorie, Bild-Text-Relationen und zum Holocaust, Veröffentlichungen u.a.: Entziffernde Hermeneutik. Zum Begriff der Lektüre in der pychoanalytischen Theorie des Unbewußten (1991), Die Gabe der Zivilisation: Interkultureller Austausch und literarische Textpraxis in Amerika (2000), hg. Sammelbände u.a. Cultural Transactions (mit B. Ostendorf, 2005), The Culture Power of Aesthetic in American (mit K. Benesch, 2007), The Pathos of Authenticity (mit A. Gross, M. Snyder-Körber, 2010).