VorschauSommersemester 2012 Fortsetzung folgt ...Formate des Seriellen in den Künsten und MedienGibt allein das Individuelle und Einzigartige Auskunft über künstlerische Originalität? Daneben wurde seit „1001 Nacht“, aber mehr noch seit den berühmten stilbildenden Fortsetzungsromanen des 19. Jahrhunderts, Charles Dickens' "Pickwick Papers" oder Eugène Sues „Mystères de Paris“, die zeitlich gestaffelte Darbietungsform der Serie populär. Darin wird die einzelne Erzählung zu einer Variation, eingefügt in ein narratives Muster, bei dem Anfang und Ende durchaus zufällig und ungewiss sind. Die „Ästhetik der Serie“, wie sie Umberto Eco ins Spiel gebracht hat, umfasst dabei mehr als den Zeitgeist von industrieller und medialer Reproduktion, von statistischer Wahrscheinlichkeitsrechnung und Digitalisierung. Nicht nur die Variante, sondern die Variabilität selbst, die regulierte Unregelmäßigkeit mit ihrer potentiellen und virtuellen Unendlichkeit, schafft ästhetisches Vergnügen: In der Wiederholung ist die Differenz zu entdecken. Gewiss fordern und fördern die narrativen Serienformate der soap operas und telenovelas den Konsumismus, wenn die auf Dauer gestellte Serie von Fall zu Fall den misslichen Alltag kompensiert. Die Ritualisierung der Alltagswelt im Serienformat kann jedoch mehr schaffen als nur Affirmation. Der „rhythm of being“, von dem Gertrude Stein einmal gesprochen hat, lässt sich als fortgesetzte Vergegenwärtigung verstehen: als Lust an Entdeckung im Immergleichen. In den MOSSE-LECTURES des Sommersemesters 2012 soll das Prinzip des Seriellen in den Künsten und Medien neu zur Anschauung und zur Sprache gebracht werden: mit der Analyse funktional gelungener und publikumswirksamer Fernsehserien; im Rückschluss auf narrative Muster und Bauformen von Fortsetzungsromanen, mit einem zweiten Blick auf experimentelle Erzeugnisse von bildender Kunst, Film, Video und interaktive Medien, in denen das serielle Prinzip wirksam ist.
PROGRAMM Donnerstag, 26. April 2012 Donnerstag, 3. Mai 2012 Donnerstag, 31. Mai 2012 Donnerstag, 14. Juni 2012 Donnerstag 21. Juni 2012 |
