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Mittwoch, 24. Januar 2018 seit 1997 Wintersemester 2017/2018

Archiv

Fortsetzung folgt ...

Gibt allein das Individuelle und Einzigartige Auskunft über künstlerische Originalität? Daneben wurde seit „1001 Nacht“, aber mehr noch seit den erfolgreichen Fortsetzungsromanen des 19. Jahrhunderts, Charles Dickens' "Pickwick Papers" oder Eugène Sues „Mystères de Paris“, die zeitlich gestaffelte Darbietungsform der Serie populär. Darin wird die einzelne Erzählung zu einer Variation, eingefügt in ein narratives Muster, bei dem Anfang und Ende durchaus zufällig und ungewiss sind. Die „Ästhetik der Serie“, wie sie Umberto Eco ins Spiel gebracht hat, umfasst dabei mehr als den Zeitgeist von industrieller und medialer Reproduktion, von statistischer Wahrscheinlichkeitsrechnung und Digitalisierung. Nicht nur die Variante, sondern die Variabilität selber, die regulierte Unregelmäßigkeit schafft ästhetisches Vergnügen: In der Wiederholung ist die Differenz zu entdecken. Gewiss fordern und fördern die narrativen Serienformate der soap operas und telenovelas den Konsumismus, wenn die auf Dauer gestellte Serie von Fall zu Fall den misslichen Alltag kompensiert. Die Ritualisierung der Alltagswelt im Serienformat kann jedoch mehr schaffen als nur Affirmation. Der „rhythm of being“, von dem Gertrude Stein einmal gesprochen hat, lässt sich als fortgesetzte Vergegenwärtigung verstehen: als Lust an Entdeckungen im Immergleichen. In den MOSSE-LECTURES des Sommersemesters 2012 soll das Prinzip des Seriellen in den Künsten und Medien neu zur Anschauung und zur Sprache gebracht werden: in den Erzeugnissen des sog. Quality TV und mit einem zweiten Blick auf bewährte und experimentelle Muster und Bauformen des Seriellen in Literatur und Kunst.

Pressestimmen


De:Bug (03. Mai 2012)
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Süddeutsche Zeitung - Jetzt.de (04. Mai 2012)
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TAZ (04. Mai 2012)
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Boersenblatt.net (04. Mai 2012)
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Welt Online (05. Mai 2012)
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Programm

Lorenz Engell Bauhaus Universität Weimar "Watch your series more" - Erkundungen des Fernsehens Donnerstag, 26.04.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

„Read your Westerns more“ war die Empfehlung des amerikanischen Präsidenten Howard Taft an seine Landsleute, wollten sie sich selbst und ihr Gemeinwesen verstehen. Unverändert werden auch heute die drängendsten Fragen der Gegenwart an den scheinbar ungeeignetsten Stellen verhandelt, darunter in erstaunlichem Maße in den weltweit zirkulierenden Serien der amerikanischen Fernsehproduktion. Zu den Fragen, die in Form der Fernsehserie gestellt und variiert werden, gehören zunächst einmal thematische Besorgnisse. Die Verteilung von Macht und Herrschaft, das Geschlechterverhältnis, die uralte Frage nach der Herkunft des Bösen, die Kritik an wirtschaftlichen Zuständen, die Sorge um eine prinzipielle Unverstehbarkeit der Welt, all dem gehen Fernsehserien nach. Dahinter aber ist die Verhandlung der Phänomene der Serialität und der Serialisierung selbst ein Signum der Gegenwart. Der Philosoph Stanley Cavell vermutet hinter der flächendeckenden Ausbreitung der Serienform durch das Fernsehen den Versuch einer grundlegenden Stillstellung der Welt. Der Vortrag legt dagegen die These ein, dass Serienformate heute erproben, was das Andauern und was das Vorüberziehen überhaupt sei, was als Ereignis, was als Wiederholung, Gedächtnis und Geschichte gilt: die Wandelbarkeit als Merkmal einer grundlegend instabilen Gegenwart.

Lorenz Engell
Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar, Forschungen v.a. zur Mediengeschichte von Film und Fernsehen, Co-Direktor des Internationalen Kollegs für Kulturtechnik und Medienphilosophie, Mithg. des Archivs für Mediengeschichte und der Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, Buchveröffentlichungen u.a.: Ausfahrt Babylon (2000), Bilder des Wandels (2003), Bilder der Endlichkeit (2005), Philosophie des Fernsehens (2005), Philosophie des Films (2007), Playtime (2010).

 

Videos

Fotos

  • Klaus Scherpe begrüßt die Gäste zur neuen Reihe "Fortsetzung folgt... Formate des Seriellen in den Künsten und Medien     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell, der erste Redner der Reihe "Fortsetzung folgt... Formate des Seriellen in den Künsten und Medien"     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell von der Bauhaus-Universität Weimar bei seinen Erkundungen des Fernsehens
     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell vor großem Publikum im Senatsaal der Humboldt-Universität     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell "Watch your series more" I     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell "Watch your series more" II     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell "Watch your series more" III     © Niels Leiser
  • Frage aus dem Publikum an Lorenz Engell     © Niels Leiser
  • Klaus Scherpe und Lorenz Engell bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Lorenz Engell, Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar, zwischen Wilhelm und Alexander von Humboldt
     © Niels Leiser

Rainald Goetz & Diedrich Diederichsen Berlin & Wien "mehr" Donnerstag, 03.05.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Rainald Goetz
Nach der doppelten Promotion in den Fächern Geschichte und Medizin Autor von Theaterstücken, Romanen, Musikalben, Blogs, Internet-Tagebüchern und Essays, in denen u.a. Stoffe aus der Psychiatrie (Irre, 1983), der Wissenschaft (Kontrolliert, 1988), der Technobewegung (Rave, 1998), der Zeitgeschichte (Krieg, Festung 2003) und Kunstszene (Jeff Koons, 1982) verarbeitet werden. Auf das in Buchform publizierte Online-Tagebuch Abfall für alle (1999) folgten als Audio CD und Tagebuchessays veröffentlichte Blogs der „Nullerjahre“ (Klage, Loslabern, Schlucht, 2008, 2009), Berliner Literaturpreis (2012) Ein neuer Roman Johann Holtrup ist angekündigt.

Diedrich Diederichsen
Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Kulturjournalist, Kunst-, Literatur- und Musikkritiker, zuletzt erschienene Buchpublikationen u.a.: Musikzimmer. Avantgarde und Alltag (2005), Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation (2008), Kritik des Auges. Texte zur Kunst (2008).

 

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Fotos

  • Joseph Vogl begrüßt die Gäste der MOSSE-LECTURE     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen zu "mehr"     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz trägt vor.     © Niels Leiser
  • Diedrich Diederichsen trägt vor.     © Niels Leiser
  • Spaß an Presseerzeugnissen I: Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen     © Niels Leiser
  • Spaß an Presseerzeugnissen II: Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz     © Niels Leiser
  • Diedrich Diederichsen singt "I need more" von Iggy Pop.
  • Rainald Goetz, Diedrich Diederichsen und ihr Publikum im Senatssaal der Humboldt-Universität
     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen vor den Humboldt-Brüdern     © Niels Leiser
  • Rainald Goetz auf hoher Leiter mit Helfer/innen beim Abbau     © Niels Leiser

Benjamin Buchloh Harvard University Zufall, Intention und Serialität in Gerhard Richters Abstraktionen Donnerstag, 31.05.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

Der Vortrag wendet sich primär an das Spätwerk von Gerhard Richter: die neuen, digital erzeugten Bilder aus den Jahren 2011-2012. Es wird versucht diese neuen Bilder in einer langen und widersprüchlichen Geschichte von Serialität, Abstraktion und Zufall zu verstehen. Verschiedene historische Etappen, in denen das Prinzip des Zufalls in der Musik und in der Malerei eine wichtige Rolle gespielt hat, werden diskutiert, um die Frage ihrer gegenwärtigen interpretatorischen Anwendbarkeit zu klären. Oder aber um zu belegen, dass es sich um eine höchst eigenständige, historisch spezifische und völlig differente Anwendung dieser Prinzipien in Richters Abstraktion in der Gegenwart handelt.

Benjamin H. D. Buchloh ist Andrew W. Mellon Professor of Modern and Contemporary Art an der Harvard University, Herausgeber der Zeitschrift October und neben Hal Foster und Rosalind Krauss Autor des Sammelwerks Art Since 1900 (Neuausgabe 2011); zu seinen neuesten Publikationen gehören Essays über Claes Oldenburg (2011), Richard Hamilton, Gerhard Richter und Gabriel Orozco, zu dessen Retrospektive im Museum of Modern Art in New York (2010). Für October hat er zuletzt eine Sondernummer zu Andy Warhol ediert und 2009 eine Anthologie mit Aufsätzen zu Gerhard Richter in der MIT Press veröffentlicht. Der zweite Band seiner gesammelten Aufsätze mit dem Titel Formalism and Historicity erscheint 2013. Im Jahre 2007 wurde Benjamin Buchloh mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig ausgezeichnet; 2009 war er Fellow der American Academy in Berlin, um seine Monographie über Gerhard Richter zu vollenden.

Fotos

  • Elisabeth Wagner begrüßt Benjamin Buchloh und die Gäste der MOSSE-LECTURE     © Niels Leiser
  • Benjamin Buchloh und Elisabeth Wagner     © Niels Leiser
  • Benjamin Buchloh bei seinem Vortrag     © Niels Leiser
  • Benjamin Buchloh     © Niels Leiser
  • Kommentar aus dem Publikum     © Niels Leiser
  • Isabelle Graw bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Benjamin Buchloh bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Benjamin Buchloh vor den Humboldt-Brüdern     © Niels Leiser

Hagai Levi & Elisabeth Bronfen Tel Aviv Is Television Series The New Psychological Treatment? Donnerstag, 14.06.2012, 19 Uhr c.t., Senatssaal, Unter den Linden 6, 1. Stock

17.30 Uhr s.t.: Vorführung von Ausschnitten aus der israelischen und der amerikanischen Fernsehserie »In Treatment« / »Be`Tipul«

Vortrag und Gespräch in Englischer Sprache mit Elisabeth Bronfen (Universität Zürich)

In seiner in Israel, den USA und mehreren anderen Ländern Europas und Südamerikas außerordentlich erfolgreichen Fernsehproduktion hat der Filmemacher und Produzent Hagai Levi die psychoanalytische Gesprächstherapie ins serielle Format übertragen. Im Rahmen dieser talking cure erweist sich die Analyse der früheren Lebensgeschichten und der aktuellen Lebenssituationen als ungemein seriengerecht. Darüber hinaus verweist der hohe Bekanntheitsgrad der Serie in Israel und der internationale Erfolg auf die immanente Darstellung der psychisch, sozial und politisch bedingten Lebensverhältnisse. In einer Art re-enactment dieses Projekts werden Vortrag und Gespräch seine Produktionsgeschichte, das Prinzip der Serialität, die literarischen und filmischen Bezüge und seine kulturelle Übertragbarkeit und Vergleichbarkeit zur Sprache bringen. Was als Wiederholung gilt, zeigt die Wandelbarkeit als Merkmal einer grundlegend instabilen Gegenwart.

Hagai Levi
Filme und Fernsehproduktionen wurden in Israel und auf internationalen Festivals mehrfach preisgekrönt, so auch die Dokumentarfilme Fucked Up Generation und It Kinda Scares Me. Die psychoanalytische Fernsehserie Be‘ Tipul (erste Staffel 2005, zweite Staffel 2008) wurde mit dem Regiepreis der Israelischen Akademie ausgezeichnet. Sie diente als Vorlage für die amerikanische Serie In Treatment des PayTV Senders HBO (drei Staffeln 2007 bis 2010); auf 3SAT lief 2010 und 2011 eine Synchronfassung der ersten und zweiten Staffel der HBO-Version.

Elisabeth Bronfen
Professorin für Anglistik an der Universität Zürich und Global Distinguished Professor an der New York University. Viele ihre zahlreichen Aufsätze und Bücher aus den Bereichen von Kulturwissenschaft, Gender Studies, Psychoanalyse und Film wurden in mehrere Sprachen übersetzt, u.a. Die Diva (2002), Home in Hollywood (2004), Liebestod und Femme Fatale (2004), Tiefer als der Tag gedacht. Eine Kulturgeschichte der Nacht (2008), Stanley Cavell (2009), Crossmappings (2009); Demnächst erscheint Specters of War. Hollywood’s Engagement with Military Conflict.

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Fotos

  • Ethel Matala de Mazza bei der Begrüßung der Gäste     © Niels Leiser
  • Hagai Levi bei seiner MOSSE-LECTURE     © Niels Leiser
  • Hagai Levi vor seinem Publikum     © Niels Leiser
  • Elisabeth Bronfen bei ihren Ausführungen neben Hagai Levi     © Niels Leiser
  • Elisabeth Bronfen     © Niels Leiser
  • Hagai Levi     © Niels Leiser
  • Hagai Levi und Elisabeth Bronfen     © Niels Leiser
  • Kommentar aus dem Publikum     © Niels Leiser
  • Elisabeth Bronfen und Hagai Levi vor den Humboldt-Brüdern     © Niels Leiser

Ulla Haselstein Freie Universität Berlin Gertrude Stein und das amerikanische Gesetz der Serie Donnerstag, 21.06.2012, 19 Uhr c.t., Hörsaal 1.101, Hegelplatz 2

Gertrude Stein ist als Sammlerin moderner Kunst und scharfzüngige Salondame bekannt, nicht aber als Schriftstellerin: wegen der Serialität ihrer literarischen Arbeiten gelten diese bis heute als unlesbar. Stein selbst hielt ihre Texte für 'perfectly natural'; sie machte den Satz »Rose is a rose is a rose is a rose« zu ihrem Markenzeichen und verwies zur Erklärung ihrer Texte auf den Film, die industrielle Serienfertigung und die amerikanische Kultur. Der Vortrag wird diesen Verweisen nachgehen und zeigen, dass die Autorin mit der Serialität unterschiedliche Darstellungsabsichten verfolgt, die in Steins Begriff der Moderne konvergieren.

Ulla Haselstein ist Professorin für amerikanische Literatur am John F. Kennedy Institut für Nordamerikastudien an der FU Berlin, 2009 Forschungsprofessorin der Aby Warburg Gesellschaft in Hamburg, zahlreiche Publikationen zur modernen amerikanischen Literatur und Literaturtheorie, zu Bild-Text-Relationen und zum Holocaust, Monographien zum Thema Entziffernde Hermeneutik. Zum Begriff der Lektüre in der pychoanalytischen Theorie des Unbewußten (1991), Die Gabe der Zivilisation: Interkultureller Austausch und literarische Textpraxis in Amerika (2000), mithg. Sammelbände u.a. Cultural Transactions (mit B. Ostendorf, 2005), The Culture Power of Aesthetics in American Culture (mit K. Bennesch, 2007), The Pathos of Authenticity (mit A. Gross, M. Snyder-Körber, 2010, demnächst erscheint ein gemeinsam edierter Sammelband zum Thema The Cultural Career of Coolness.

Fotos

  • Ulrike Vedder bei der Einführung, neben ihr Ulla Haselstein     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein hält ihre MOSSE-LECTURE     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein über Gertrude Stein     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein und Ulrike Vedder bei der Diskussion     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein und Ulrike Vedder     © Niels Leiser
  • MOSSE-LECTURE mit Ulla Haselstein und Ulrike Vedder     © Niels Leiser
  • Ulla Haselstein     © Niels Leiser